Corona-Spezial Teil XVI: Umsetzungsmaßnahmen durch die geplante Absenkung des Umsatzsteuersatzes 2020

In unseren hsp Newsletter Corona Spezial XV vom 09.06.2020 zum geplanten Konjunkturpaket haben wir Ihnen u.a. einen ersten Überblick über die angekündigten Änderungen im Umsatzsteuerrecht gegeben und angekündigt, Ihnen „Umsetzungshilfen“ zur Verfügung zu stellen. Dieser Ankündigung kommen wir mit diesem Newsletter zu

„Umsetzungsmaßnahmen durch die geplante Absenkung des Umsatzsteuersatzes 2020“

nun nach.

Unsere Meinung

„Eine Absenkung der Umsatzsteuersätze vom 1. Juli an ist absoluter Irrsinn“ zitiert die FAZ vom 06.06.2020 den Präsidenten des Bundessteuerberaterverbandes, Harald Elster. Es ist zu befürchten, dass er Recht hat.

Die Reduzierung der Umsatzsteuersätze für sechs Monate (!) war sicherlich der überraschendste Teil des aktuell diskutierten Corona-Konjunkturpaketes. Diese „Unterstützungsmaßnahme“ ist sicherlich von der Politik gut gemeint, in allen Facetten zu Ende gedacht wurde sie aber offenbar nicht.

Zunächst muss jedem bewusst sein, dass eine Umstellung des Umsatzsteuersatzes in das Tagesgeschäft eines jeden Unternehmens eingreift. Eine solche Maßnahme hat Änderungen in den Prozessen der Unternehmen zur Folge. Je nach Größe und Komplexität des Unternehmens dauert eine erforderliche Prozessumstellung Wochen, manchmal auch Monate. Wir denken dabei an Kassensysteme, Fakturierungsprogramme, Kassensysteme (!), Kalkulationsprogramme, Auftragsverwaltungen und vieles andere mehr – wie soll das in wenigen verbleibenden Tagen verarbeitungssicher gehen? Mal ganz abgesehen davon, dass auch etliche steuerrechtliche Fragen zunächst zu klären sind, bevor die „technische Umsetzung“ erfolgen kann.

Wir schauen gespannt darauf, ob die Finanzverwaltung in der Lage sein wird, die Steuerübermittlungssoftware „ELSTER“ (also ihre eigene Softwarelösung) bis zum 1. August anzupassen. Ab diesem Datum können Unternehmen ihre Umsätze für Juli anmelden.

Es darf ernsthaft bezweifelt werden, ob die Koalitionsrunde, die diese Regelungen in Aussicht gestellt hat, sich eine Vorstellung davon gemacht hat, was für ein Umstellungsaufwand mit dieser Maßnahme ausgelöst wird. Es ist zu befürchten, dass der Umstellungsaufwand in den Betrieben zu Mehrbelastungen führt, die etwaige im Unternehmen verbleibenden wirtschaftliche Vorteile aus der Steuersenkung mindestens zum Teil aufzehren, wenn nicht sogar überkompensieren. Dies gilt erst recht bei einer zeitlich auf sechs Monate befristeten Maßnahme, die konsequenter Weise dann auch technisch wieder „zurückgesetzt“ werden muss.

Die Stimmen in Presse und Fachliteratur häufen sich, die einen späteren Beginn der Steuersatzsenkung und eine längere Laufzeit fordern. Ferner werden Umsetzungsrichtlinien der Finanzverwaltung zeitnah vonnöten sein.

Was bedeutet das alles für Sie als Unternehmer und für Ihre Entscheidungssituation?


  • Zunächst ist noch einmal zu betonen, dass wir aktuell ein Eckpunktepapier der Koalition diskutieren. Gesetzesentwürfe und genaue Termine des Gesetzgebungsverfahrens liegen nach unserem Kenntnisstand noch nicht vor.

  • Es ist nicht auszuschließen, dass die kritischen Stimmen gehört werden und noch Änderungen zum Eckpunktepapier erfolgen, z.B. der Beginn der gesetzlichen Regelung verschoben wird.

  • Sie als umsatzsteuerpflichtige Unternehmer stehen vor einer „Dilemma-Situation“:

    a) Sie starten schnell im vorausseilenden Gehorsam (ein Gesetz liegt heute am 10.06.202 noch nicht vor!) und mitten im Umstellungsprozess besinnt sich der Gesetzgeber und beschließt etwas anderes als im Entwurf veröffentlicht worden ist oder

    b) Sie warten ab, bis das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren ordnungsgemäß durchlaufen wurde. Dann werden Sie allerdings wahrscheinlich nicht fristgerecht am 1.7. ordnungsgemäß handlungsfähig sein.

Die unternehmerische Entscheidung können wir Ihnen (leider) nicht abnehmen.

Wir wollen Sie mit den vorstehenden Ausführungen jedoch unterstützen, Ihre Situation und etwaigen Handlungsbedarf zutreffend einzuschätzen.

Unsere fachliche Unterstützung für Sie

Unabhängig davon, wann und für wie lange eine Senkung der Steuersätze wirksam wird, stellen sich organisatorische und steuerrechtliche Fragen zu deren Beantwortung wir Ihnen Hilfestellung geben möchten. Einen ersten Überblick haben wir in dem nachfolgenden Merkblatt Umsetzungsmaßnahmen durch die Absenkung des Umsatzsteuersatzes 2020 zusammengestellt.

Download PDF- Umsetzungsmaßnahmen durch die Absenkung des Umsatzsteuersatzes 2020


Gerne stehen Ihnen Ihre bekannten Ansprechpartner in unserem Hause zu diesem Themenkomplex für Rückfragen und ergänzende Erläuterungen zur Verfügung. Kommen Sie bitte auf uns zu.

Bleiben Sie gesund!

Freundliche Grüße aus Dortmund

Ihr hsp-Team



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Redaktionsschluss des Newsletters war der 10.06.2020, 10:00 Uhr